Evolutionary Project Management & Product Development

Evolutionary Project Management & Product Development (EVO) wurde erstmals 1988 von Tom Gilb in seinem Buch "Principles of Software Engineering Management" beschrieben, damals noch unter dem Namen "Evolutionary Development".

Bereits zu diesem Zeitpunkt empfahl Gilb kleine, inkrementelle Releases oder Builds der Software zu erstellen und dem Kunden regelmässig und häufig zur Verfügung zu stellen. Die Planung sollte dynamisch sein, damit das Feedback des Kunden berücksichtigt werden kann. EVO zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Verfolgung mehrerer Ziele
  • Frühe und häufige Iterationen
  • Vollständige Analyse, Design, Implementierung und Test in jeder Iteration
  • Anwenderorientierung
  • Betrachtung des Gesamtsystems, nicht einzelne Algorithmen
  • Offene Basisarchitektur
  • Zielorientierung, nicht (Softwareentwicklungs-)Prozessorientierung

Unter EVO wird das Projekt in kleine Stücke ("chunks") geteilt, wobei jeder chunk höchstens 5 Prozent des Gesamtaufwands umfassen sollte. Dabei werden diejenigen Funktionen zuerst entwickelt, die den grössten Nutzen bringen und sich leicht implementieren lassen.

Inzwischen wurde EVO durch Tom Gilb und seinen Sohn Kai zu Evolutionary Project Management & Product Development weiterentwickelt. Die Abbildung zeigt die zentralen Elemente der aktuellen Fassung von EVO:

  • Stakeholder Values, Product Quality Requirements und Development Resource Budgets - Klärung der Anforderungen und der zur Verfügung stehenden Ressourcen.
  • Solutions - Lösungsideen, um die Stakeholder Values und Product Quality Requirements mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen zu erfüllen.
  • Impact Estimation - Abbildung der Lösungsideen auf die Stakeholder Values, Product Qualities und Development Resources. Zweck ist die Prüfung, ob die Lösung hinsichtlich der Stakeholder Values & Product Quality Requirements tragfähig ist und mit den Ressourcen umgesetzt werden können.
  • Evolutionary Plan - Initialer Grobplan der Reihenfolge und des Weges, wie man die Stakeholder Values und Product Quality Requirements erreichen will. Die notwendige Detaillierung des Evolutionary Plan entwickelt sich zusammen mit dem Projekt während der Implementierung.
  • Functions - Beschreibung dessen, was das System macht.
  • Definitions - Beschreibung von Begriffen und Konzepten.

Bewertung BQI Research

Projekt-Management (PM) und Test (T) sind die Stärken des EVO-Vorgehens. Schwächer fallen Systemdesign/technische Konzeption (SD), Qualitäts-Management (QM), Requirements-Management (RM), Implementierung (IMP) und Integration/Einführung (INT) aus. Die Bereiche Wartung (W) und Betrieb (B) werden überhaupt nicht abgedeckt.

  • Bekanntheitsgrad und Verbreitung sind insgesamt gering.
  • Es existiert keine spezielle Tool-Unterstützung.
  • Die Methode ist normiert/standardisiert, aber nicht zertifiziert.
  • Keine Lizenzen erforderlich.
  • Support ist vorhanden.

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